Am Strand und am Set

Den heutigen Tag (wir schreiben etwas zeitverzögert 😉 ) haben wir den zwei weltbekannten Stränden von Santa Monica und Venice gewidmet. Am Abend waren wir dann live am Set zum Dreh der Serie „Sullivan & Son“.

Wer hat sie nicht schon auf irgendeinem Bild oder einer Postkarte gesehen, die Kulisse des Strandes von Santa Monica mit der klassischen Achterbahn. Am späten Morgen haben wir uns auf den Weg dorthin gemacht und erstmal den normalen Wahnsinn im Straßenverkehr von LA kennengelernt. Was das Navi als 40 Minuten Fahrt berechnet, wird schnell zu 90 Minuten. Abgesehen davon finden wir aber bisher, dass die Amerikaner ganz vernünftig Auto fahren im Gegensatz zu dem, was man teilweise darüber sagt.

Aber naja, irgendwann waren wir dann auch da und haben das vorgefunden, was wir erwartet haben. Santa Monica hat einen langen, breiten Strand, an dem das Leben nur so pulsiert. Die Achterbahn rollt neben einigen weiteren Fahrgeschäften auch wochentags durchgehend und generell ist hier sehr viel auf Rädern unterwegs. Wie wir auch nachher in Venice festgestellt haben, wird hier unglaublich viel Fahrrad, Inliner, Skateboard, etc. gefahren und diese „beräderten“ Gefährte gibt es auch überall zum Verleih.

Wir schlendern ein wenig über den Pier und über den Strand, geniessen die Atmosphäre und schießen ein paar Fotos…

Danach fahren wir nur ein paar Kilometer weiter nach Venice, wo das Strandleben noch lebendiger ist. Hier ist die alte Hippie-Szene noch sehr aktiv, es ist alles so ein bisschen „Piece, Love and Rock’n’Roll“. Vollständig machen das Bild die vielen Grafittis, unzählige Skater im Skatepark direkt am Strand und der allgemeine Geruch nach Gras (nicht das, was in unserem Garten wächst 😉 ).

Auf geliehenen Fahrrädern erkunden wir den sehr langgezogenen Strand. Venice Beach und auch Santa Monica Beach nennen sich übrigens selbst auch gerne „Muscle Beach“, da hier in der Zeit des ersten Fitness-Hypes die Strand-Fitnessstudios eröffnet wurden und dieser Hype hier sehr extrem ausgelebt wurde. Auch heute noch sind viele kostenlose, öffentliche Fitness-Geräte am Strand vorhanden, die von Muskelprotzen genutzt werden, deren Muskeln ohne öffentliche Zurschaustellung ja sonst keinen Sinn machen würden.

Es ist auch hier sehr gemütlich, man könnte stundenlang am Strand spazieren gehen und neue  Dinge entdecken, allerdings hat man auch immer das Gefühl, dass man sein Portemonnaie lieber festhalten sollte.
Da wir um 17 Uhr auch schon bei den Warner Bros Studios sein müssen, beeilen wir uns etwas mit der Besichtigung. Ein paar Fotos von Venice Beach:

Pünktlich – so denken wir – machen wir uns um 15:30 Uhr schon auf den Weg, um ja pünktlich im Studio anzukommen. Der Verkehr von LA macht uns einen Strich durch die Rechnung. Völlig gehetzt und in Angst, dass diese Chance nun abgelaufen ist, kommen wir bei den Warner Studios an Gate 8 an. Um 17 Uhr sollte man da sein, um 18 Uhr beginnt der Dreh, es ist 17:45 Uhr.

Die freundliche Dame an der Kontrolle erklärt uns, dass auf unseren Tickets ein Fehler ist, Sullivan & Son wird generell an Gate 3 gedreht. Kurz Luft holen und rein in den Verkehr, bis zu Gate 3 dauert es nur etwa 5 Minuten. So ist es und um 17:50 Uhr stehen wir am Eingang des Studios und zeigen unsere Tickets vor. „Das ist voll, ihr seid zu spät.“ 

Aber wir haben Glück. Brian von der Studio-Crew ist auch gerade erst angekommen und nimmt uns noch mit rein.

Leider dürfen hier keine Fotos gemacht werden, da ja Episoden gedreht werden, die erst viel später veröffentlicht werden. Man kann sich das so vorstellen. Eine Serie wird meist nur in einigen wenigen Räumen gedreht. Diese sind nicht so angeordnet, wie es nachher rüberkommt, sondern befinden sich quasi alle einmal in der Mitte durchgeschnitten direkt nebeneinander.

Diesen „aufgeschnittenen Räumen“ gegenüber befindet sich in voller Breite eine Tribüne, auf der in etwa 150 Zuschauer Platz nehmen können. Ein Bild, dass einen Teil darstellt, konnte ich ergoogeln.

Die Schauspieler haben diese Episode bereits einige Male eingeübt und die finale Aufnahme findet nun mit Zuschauern statt. 

Warum? Zum einen – ja das wird wirklich live aufgenommen – braucht die aufgezeichnete Serie die Lacher des Publikums und zum zweiten wird die Qualität der Gags anhand der Zuschauerreaktionen gemessen. Bei der finalen Aufnahme sind alle Produzenten (als Executive Producer war bei uns auch Vince Vaughn da), Drehbuchautoren und weitere wichtige Personen anwesend und wenn die Zuschauer bei einem Gag nicht oder nur mäßig lachen, wird der Dreh unterbrochen und es werden andere Varianten – teilweise glauben wir vorgeschriebene und teilweise improvisierte – ausprobiert.

Wenn eine Szene schlecht gespielt wurde und nochmal aufgenommen werden muss, improvisieren die Schauspieler oft mit dem Witz, um die Lacher nochmal für die Szene zu bekommen. Es ist unglaublich, wie viel Talent und Arbeit dazu gehört. Vor allem ist so ein Dreh für die Schauspieler auch wirklich viel Arbeit, denn man vergisst oft, wieviel Text auswendig gelernt werden muss und wie perfekt Bewegungen und Abläufe von allen gleichzeitig abgerufen werden müssen. Macht nur einer etwas falsch oder nicht so perfekt (das gilt auch für die Leute im Hintergrund, die nur die Kulisse spielen), wird der ganze Take nochmal neu angefangen. Den Fehler will natürlich keiner machen, da das einen längeren Tag für alle anderen bedeutet. Wer also denkt, das wär ein leichtes, lustiges Leben – Schauspieler haben extrem harte Arbeit. Auch nach 5 Stunden Dreh am Stück muss die Konzentration extrem hoch sein. Heisst es „Ready – Set – Background – …and Action!“ muss alles wie geschmiert laufen.

Auch wird eine Episode einer Serie immer in der richtigen Reihenfolge aufgenommen, sodass man quasi die Story auch wirklich mitbekommt. Faszinierend ist auch, dass die Schnitte und Perspektivenwechsel live gemacht werden. Während dem Dreh wird das finale „Produkt“ schon live auf Monitoren gezeigt und Ziel ist, das keine Nachbearbeitung mehr gemacht werden muss. Nach Drehende ist als eine Episode reif zur Ausstrahlung.

Der Dreh der Episode hat ca. 5 Stunden gedauert. In den Drehpausen für Besprechungen, oder spontane Änderungen hat uns ein Moderator unterhalten und es gab auch Essen und Trinken gratis – by the way: auch die Tickets generell sind immer gratis.

Der Abend war einer der interessantesten in Los Angeles und es ist einfach unglaublich interessant, mal zu sehen, was ca. 30 Leute hinter den Kameras so während eines Drehs machen und wie das so alles abläuft.

Wer das interessant findet, findet dazu auch mehr Details in dem Blog von meinem Kollegen Florian Jürgens, der eine detaillierter Tour durch die Warner Bros Studios gemacht hat und auch sehr ausführlich und interessant berichtet – absolut lesenswert: http://www.von-florida-bis-kalifornien.de/?p=558

Bis dahin! 🙂